Interview mit Sneha Shrestha

 

Alles was Sneha Shrestha macht, geschieht für die Tiere. Sie stellt sich selbst nicht gerne ins Zentrum der Aufmerksamkeit – und tut es für den guten Zweck dennoch. Mit Mitte dreißig konnte sie bereits zahlreiche Leben retten, Meinungen – und sogar Gesetze verändern.

Inzwischen ist ihr Tierheim das größte in Nepal. Und Sneha kämpft weiter, gibt jenen eine Stimme, die keine Stimme haben. Sieben Tage die Woche gibt sie alles für den Schutz der Tiere. Für eine Zukunft, in der alle friedlich leben können.

Hier gibt sie uns einen kleinen Einblick in ihr Leben.

 

Kehren wir ein paar Jahre zurück. Die Idee zu Sneha’s Care entstand, als Nachbarn Deinen Hund vergifteten. Wie hat das Dein Denken verändert und welche Schritte folgten?

Nachdem mein Hund vergiftet worden war, begann ich, über all die Hunde auf der Straße nachzudenken und über deren Leben. Ich fragte mich: „Wenn sogar mein behütetes Haustier vergiftet werden kann, was passiert dann erst all den schutzlosen Tieren?“ Ich konnte nicht aufhören, darüber nachzudenken. Und so begann ich, die Hunde auf der Straße zu füttern und zu versorgen. Ich fing an, viele verletzte Hunde auf der Straße zu retten und brachte sie zum Tierarzt. Das war noch relativ einfach, aber wo sollten sie unterkommen, während ihrer Behandlung? Diese Frage veranlasste mich, für diese Tiere ein eigenes Tierheim zu eröffnen. Inzwischen wurde es zum größten Tierheim Nepals.

 

 Viele Menschen haben große Träume, die oft nie Wirklichkeit werden. Wie hast Du den Mut gefunden, Deinen Plan zu verwirklichen?

Zu Träumen und Dinge umzusetzen, sind tatsächlich zwei sehr unterschiedliche Dinge. Es war nie mein Traum, ein Tierheim zu eröffnen, aber an dem Tag, als ich anfing, den bedürftigen Tieren zu helfen, war das Heim ihr Bedürfnis und nicht meines. Ich würde alles tun, um sie nach Hause zu bringen und für sie da zu sein. Ich verkaufte mein Haus, um ihnen ihres zu bauen.

Wie sieht ein typischer Tag in Deinem Leben aus, oder ist jeder Tag anders?

Ich habe einen ziemlich geregelten Alltag. In meinem Haus leben neun Hunde. Ich beginne meinen Tag mit Hunden und beende ihn mit Hunden. Tagsüber gehe ich in mein Tierheim, leiste Aufklärungsarbeit zum Thema Tierschutz und bin in meinem Büro in Thamel.

 

 Wie reagieren die Menschen in Deiner Stadt auf Deine Arbeit? Ändert es die Art und Weise, wie sie mit Tieren umgehen?

Im Jahr 2015 habe ich kaum Menschen gesehen, die über Tiere auf Facebook posten. Als ich meine Facebook-Seite begann und anfing, über streunende Tiere zu berichten und ihre Fotos zu posten, bewunderten die Leute meine Arbeit und inzwischen habe ich 130.000 Menschen, die mir folgen. Seitdem gibt es viele Gruppen auf Facebook, die sich für Tiere einsetzen. Ich denke, dass sich so die Einstellung des Menschen zum Tier nach und nach zum positiven verändert.

 

Hast du einen Tipp für uns, wie wir selbst nach schlechten Erfahrungen und Leid weitermachen können?

Wir sollten nie aufhören, uns für Tiere stark zu machen. Wenn wir ein Vorbild für die Welt sind und zweifelnden Menschen zum Umdenken bewegen, dann wird das Leid eines Tages enden.

 

Hat Dich die Arbeit mit den Tieren und all die Erfahrungen verändert?

Ja, das hat mich sehr verändert. Für meine Familie und mich war Fleisch das leckerste Essen überhaupt. Dann fing ich an, über das Leben von „Nutztieren“ nachzudenken, während ich sie gekocht habe. Ich dachte, wenn ich Hund liebe und mich um sie kümmere, warum behandle ich dann nicht alle Tiere so. Denn alle Lebewesen sind gleich und fühlen Schmerz. Warum werden manche Tiere für das Essen getötet? Ich hörte auf, Fleisch zu essen und wurde Veganerin. Jetzt genieße ich meine Mahlzeiten, obwohl Fleisch nicht mehr in meiner Ernährung enthalten ist. Wir sollten alle Tiere gleich wertschätzen und ihnen ihr Leben lassen. Es ist einfach nicht mehr nötig, Fleisch zu essen und leckerer Geschmack ist niemals Grund genug.

 

Hast Du, als Expertin, einen konkreten Ratschlag für den Umgang mit traumatisierten Tieren?

 Begegne Tieren immer mit all Deiner Liebe, und sie werden Dich im Gegenzug auch lieben und Dein Herz gewinnen. Normalerweise verwenden wir beim Fangen von Hunden während der Tollwutimpfung und des Kastratenprogramms auf der Straße kein Netz oder eine Ausrüstung. Wir verwenden Kekse und das klappt wunderbar.

 

Welche Pläne hast Du für die Zukunft von Sneha’s Care?

 Wir wollen das ganze Land mit unserem Programm abdecken und nicht nur im Kathmandu-Tal bleiben. Somit wollen wir immer mehr Tieren helfen und die Einstellung der Menschen ändern.

 

Was war die schönste Erfahrung, die Deine Arbeit Dir gebracht hat?

Die wunderbarste Erfahrung, die mir meine Arbeit gebracht hat, ist wahre Zufriedenheit. Tieren zu helfen, das erfüllt mich so sehr. Ich habe früher viel gefeiert, bin viel rumgekommen, aber ich fand das wahre Glück darin, den Tieren zu helfen.

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